Welche Fehler sind bei der Jobsuche häufig?

Menschen auf Jobsuche schöpfen oft nicht das ganze Potential des Arbeitsmarktes aus. Häufige Fehler, die Sie vermeiden können, sind:


1. Am falschen Ort suchen

Es gibt ca. 2.264 deutsche Jobbörsen im Internet, aber in welcher sollten Sie für Ihre
Branche suchen? Es ist nicht nur so, dass der Stellenmarkt verdeckt ist, oft sind auch
die effektivsten Suchmethoden einfach nicht bekannt. Dafür gibt es allerdings auch
nur wenig qualifizierte Schulungen. Viele kennen die wichtigsten Stellenmärkte nicht oder wissen nicht, dass es in ihrer Branche zahlreiche Branchenbörsen gibt.
Manche suchen nur in Zeitungen, manche nur bei arbeitsagentur.de. Börsen von
hochwertigen Zeitarbeitsfirmen werden oft links liegengelassen, die wenigsten tragen
ihr eigenes Profil in die wichtigsten Internetportale ein. Manchmal werden
Personalvermittler prinzipiell nicht kontaktiert oder die Jobsucher tragen sich in eine
große Jobbörse anonym ein, so dass der Arbeitgeber nur unter größten
Schwierigkeiten Kontakt aufnehmen kann.

2. Nur große Firmen kontaktieren

Stahl- und Elektroindustrie, Automobilhersteller, Energieversorger, Chemieunternehmen und die
sonstigen „üblichen Verdächtigen“: Berufsorientierer kontaktieren oft nur bekannte,
international tätige Firmen. Durch ihren Bekanntheitsgrad bekommen aber gerade
diese Firmen unzählige Bewerbungen und stellen nur einen kleinen Teil der Bewerber
und Bewerberinnen ein. Dies sind in der Regel aus Firmensicht absolut passende,
100% fitte und erstklassig ausgebildete Menschen. Absolventen mit Noten unterhalb
von „sehr gut“ werden meist als ungeeignet angesehen. Bewerber mit Zeiten der
Arbeitslosigkeit, nicht stromlinienförmigen Lebensläufen, nicht ganz aktuellen EDV-Kenntnissen
oder irgendwelchen Einschränkungen haben meist keine Chance. Dabei
sind 6 von 10 Beschäftigten in KMU, also kleineren und mittleren Unternehmen, tätig.
Viele Bewerber blenden aber diese kleineren und mittleren Unternehmen bei der
Jobsuche aus bzw. haben keine Strategie, die Anschriften von Unternehmen
dieser Gruppe systematisch zu erfassen und den Personalbedarf zu ermitteln.

3. Falsche Einschätzung der aktuellen Arbeitsmarktsituation

Viele Jobsucher orientieren sich an den Verhältnissen früherer Jahre,
interessanterweise vor allem an den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts:
Feste Jobs in großen Konzernen, natürlich unbefristet, einer eigenen Kantine, betriebseigenen Kurheimen, Werksschutz etc..
Wenn ich jedoch auf den Kalender meines Computers schaue, lese ich dort die
Jahreszahl 2010. Das sind also 40 Jahre Zeitunterschied. Seither haben sich
Wirtschaft und Gesellschaft fundamental verändert. Maueröffnung, Nutzung des
Internets und Globalisierung haben ungeheure Folgen für die Bedingungen des
persönlichen Arbeitsalltags. Viele deutsche Berufsorientierer blicken jedoch immer
noch auf die Verhältnisse vor Jahrzehnten und beziehen diese nicht mehr existente
Situation als Fakt in ihre realen Berufsentscheidungen mit ein. Wir orientieren uns bei
sonstigen Entscheidungen auch nicht am Szenario von gestern.

4. Wenn es mit der Festanstellung nicht klappt, wird oft nicht weiter gedacht

Manchmal funktioniert es mit der Festanstellung in der Region, in der Sie leben, nicht,
manchmal funktioniert es nicht in Ihrer Branche, manchmal nicht in Ihrer persönlichen
Situation (familiäre Verpflichtungen…).
Dann ist eine gut vorbereitete Selbständigkeit nicht nur die zweite Wahl, sondern
vielleicht die einzig sinnvolle Alternative. Sie bringen Ihre Fähigkeiten, Kenntnisse und
Ihre Motivation ein, werden langsam zum Experten in einer Sache und sind letztlich
nicht mehr von manchmal willkürlich erscheinenden Entscheidungen eines
Personalchefs abhängig.
Natürlich ist dies kein unbedingt einfacher Weg. Aber auch der
sozialversicherungspflichtige Job ist nicht immer einfach.

Arbeitslos bleiben – eine Alternative?

Wenn alles so schwierig ist, dann ist es vielleicht doch besser, arbeitslos zu bleiben – Oder?

Das kann ich aufgrund meiner Erfahrungen in der Schulung von mehreren tausend Menschen, die sich beruflich neu orientieren mussten, nun gar nicht empfehlen.
Folgende Gründe sprechen für die Aufnahme von Arbeit:

1. Langzeitarbeitslosigkeit raubt die Motivation und erzeugt nachgewiesen verschiedenste Krankheiten.
Schwedische Forscher haben herausgefunden, dass die Immunabwehr von Arbeitslosen bereits nach neun Monaten ohne Job deutlich schlechter arbeitet als bei Vergleichspersonen.
Außerdem entstehen durch Dauerarbeitslosigkeit vielfältige familiäre Probleme. Der Psychologe Michael Frese nennt Langzeitarbeitslosigkeit eines der für das Wohlbefinden schädlichsten Ereignisse, die unsere Gesellschaft bereithält. Darüber hinaus ist sie eine Falle: Wer Jahre arbeitslos war, kommt oft nur sehr schwer wieder aus der Arbeitslosigkeit heraus. Langfristige Arbeitslosigkeit ist also keine Lösung und meiner Ansicht nach mit der Würde des Menschen unvereinbar.

2. Arbeit hat trotz des Stresses, den sie manchmal verursacht, verschiedene Vorteile:
Sie gibt unserem Alltag eine zeitliche Struktur (Was macht man sonst den ganzen Tag?), sie verleiht dem Arbeitenden in den meisten Gesellschaften einen sozialen Wert und gibt die Möglichkeit, Leute kennen zu lernen und sich auszutauschen. Wir trainieren unsere Fähigkeiten während der Arbeit und bilden uns dadurch ständig beruflich weiter. Vielen Menschen verleiht geeignete berufliche Arbeit auch Sinn,
das hat wiederum positive gesundheitliche Folgen, wir können das entwickeln, was in uns steckt. Die meisten Menschen haben das Bedürfnis, etwas Sinnvolles oder Produktives zu tun. Je besser der Job zum eigenen Persönlichkeitsprofil passt, desto größer sind die Vorteile von Arbeit.

3. Selbst der Einstieg in irgendeinen Job (z. B. für Schulabgänger und Langzeitarbeitslose) kann ein echter Fortschritt und eine extreme Verbesserung der Lebensverhältnisse sein:
Es geht für Arbeitsuchende zuerst einmal darum, in die Berufswelt überhaupt einzusteigen bzw. wieder einzusteigen. Selbst Fachkräfte werden häufig schon nach 1 Jahr Arbeitslosigkeit von Firmenchefs oder Personalleitern nicht mehr akzeptiert und sind im Arbeitsmarkt kaum vermittelbar.
Und nach dem Einstieg? Dann folgt „training on the job“, also Lernen in der Berufspraxis und individuelle Weiterbildung. Das kann durch Lesen von Fach- und Strategiebüchern, über Internet-Angebote (Blogs und Podcasts) und über Seminare geschehen. Während der Berufspraxis und Weiterbildung entwickelt sich dann langsam eine langfristige persönliche Strategie.

Übrigens: Einen Coach oder Mentor sollten sich Menschen in einer  Orientierungsphase sowieso suchen.

Meine Tipps zum Weiterlesen:

In 90 Tagen aus der Arbeitslosigkeit

Wie finde ich den richtigen Job?

Die wichtigsten Jobbörsen

Wie erkenne ich Firmen, die zu mir passen?

Kreativität bei der Jobsuche

Basiswissen für Jobcoaches

 

 

 

 

 

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Vom Arbeitssuchenden zum Arbeitsvermittler: Meine Geschichte

Als ich vor vielen Jahren nach zehn Jahren im Angestelltenverhältnis arbeitslos wurde, ging ich zur Arbeitsagentur und ließ mich beraten. Der Berater fragte mich: „Herr Kröger, was können wir denn tun? Schlagen Sie mal was vor!“

Ich war schockiert und erst einmal sprachlos. Mein Berater fragte mich, was wir tun sollten – dabei war ich dort als Kunde und als zu Beratender erschienen! Außerdem hatte ich eine abgeschlossene Ausbildung und Berufserfahrung – es hätte für ihn doch kein Problem sein dürfen, für mich passende Jobs zu finden. Damals dachte ich: „Irgendwas an diesem Gespräch ist verkehrt, so kann Berufswegberatung nicht ablaufen.“

Seitdem habe ich in vielen Gesprächen mit Arbeitsuchenden und Menschen, die sich beruflich neu orientieren müssen, von ähnlichen Erlebnissen gehört. Dieses „Beratungsgespräch“ fand in den ersten Monaten eines, wie sich zeigen sollte, vollständigen Jahres der Arbeitslosigkeit statt, ein Jahr, das ich damals als sehr schwierig und belastend erlebte. In diesem Jahr reiste ich herum, suchte mir einen Coach, war auf Seminaren und Veranstaltungen und bewarb mich aktiv. Natürlich las ich einige der damals noch wenig vorhandenen Karriereratgeber. Außerdem beschäftigte ich mich grundsätzlich und intensiv mit dem Problem der Suche nach einem neuen Job, einem neuen Arbeitsfeld und der Frage „Wie konnte mir so was passieren?“ Heute weiß ich: Jedem kann so etwas passieren.

Das Positive: Nach einem Jahr wurde ich dann vermittelt. Witzigerweise, indem ich mich nicht an die Anweisungen in der Stellenausschreibung der Firma hielt. Alle Interessenten sollten sich schriftlich bewerben, ein Bewerber und ich riefen einfach an – nur wir beide bekamen einen Termin für ein Vorstellungsgespräch – ich wurde eingestellt. So begann meine Tätigkeit bei der TÜV-Akademie Westfalen (jetzt RWTÜV Akademie), und zwar in der Beratung von arbeitslosen Kursteilnehmern.

Seitdem bin ich Berater und Trainer und habe heute mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Arbeitsvermittlung, im Coaching und im Job-Training. In meinen Workshops und Seminaren habe ich mit vielen Jobsuchenden zusammengearbeitet, ihnen zugehört und Wege vorgeschlagen. Vielfach ging es um neue Ideen für den beruflichen Weg und um die Verarbeitung von schwierigen, aber alltäglichen beruflichen Erfahrungen in den verschiedensten
Bereichen der Wirtschaft. Mit dabei in diesen Veranstaltungen waren Frauen und Männer, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, langzeitarbeitslose Helfer und frischgebackene Akademiker, junge Erwachsene und Angehörige der Generation 50plus, Ex-Opel-Mitarbeiter und Beschäftigte von Kleinbetrieben, Logistik-Fachkräfte, Multimedia-Designer und Berufskraftfahrer, Menschen, die gekündigt hatten und andere, denen gekündigt wurde. Während dieser Zeit habe ich entdeckt: Menschen Arbeit zu vermitteln (möglichst die „richtige Arbeit“) ist meine Leidenschaft!

 

So geht die Geschichte weiter!