Das Design von modernen
Arbeitsmarktprojekten

Was sind moderne Arbeitsmarktprojekte?
Für mich bedeutet es, dass die Trainingsmaßnahmen, Vermittlungsprojekte und geförderten Weiterbildungen nachhaltig wirksam sind und eine möglichst hohe Akzeptanz bei den Teilnehmenden haben.

Moderne Arbeitsmarktprojekte…

  1. sind flexibel. Sie stellen sich auf Veränderungen in der Teilnehmendengruppe und am örtlichen Arbeitsmarkt ein und arbeiten agil, das heißt sie orientieren sich an Möglichkeiten, beinhalten berufliches Querdenken und beruhen auf Versuch und Irrtum. In den Niederlanden ist man zum Beispiel seit Jahren sehr beweglich und kann sich auch niedrigschwellige Angebote für Langzeitarbeitslose wie Kaffee- und Gesprächsrunden, Sporttraining etc. vorstellen.
  2. sind nicht wie Schule. Und erinnern auch nicht daran. Teilnehmende aus unseren Zielgruppen haben oft beim Schulbesuch negative Erfahrungen gemacht. Nachhaltiges Design von Arbeitsmarktprojekten heißt auch, dass unsere Projekte sich von der Ansprache, von den Arbeitsmethoden und von den Räumen her stark von einer Schule unterscheiden.
  3. haben möglichst angenehme Räume. Sie sehen nicht aus wie Fabrikruinen vor der Renovierung, sind freundlich und hell gestaltet, haben eine angemessene Größe und sind leise.
  4. nutzen Internet, IT und moderne Medien auf professionelle Weise. Das bedeutet keine total veralteteten Rechner, schnelles Internet, die richtigen Bookmarks/Lesezeichen, wichtige Jobbbörsen sollten nicht vom IT-Beauftragten aus Unkenntnis gesperrt sein etc.
  5. sind konsequent praxisorientiert. Es geht um Vermittlung (hier mehr) – nicht um Bewerbungsunterricht, um ständigen Kontakt zu möglichen Arbeitgebern, viele sinnvolle Praktika und praxisrelevante Schulungsinhalte.

Weitere Links: 7 Faktoren einer erfolgreichen Vermittlungsquote!

Ein schlüssiges Vermittlungskonzept
für Arbeitsmarktprojekte

Wie sieht eigentlich ein schlüssiges Vermittlungskonzept für Arbeitsmarktprojekte aus?

Ob Arbeitsmarktprojekte erfolgreich sind, hängt von vielem ab. Diese vier Faktoren können Sie als Trainer allerdings mit beeinflussen:

    • Ihre Arbeitsweise
    • die Organisation des Projekts
    • die Motivation der Teilnehmer
    • das Vermittlungskonzept

Funktionierende Vermittlungskonzepte bestehen meiner Ansicht nach aus

        • einem einfachen und trotzdem aussagefähigen Profiling
        • agiler Arbeitsvermittlung
        • und einer präzisen Arbeitgeberauswahl

Über das Profiling habe ich an dieser Stelle mehr geschrieben. Der Begriff „Agile Arbeitsvermittlung“ kommt eigentlich aus der agilen Softwareentwicklung. Ich habe ihn übernommen und auf Arbeitsmarktprojekte übertragen.

Agile Arbeitsvermittlung…

      • ist flexibel, nicht an Berufen klebend
      • orientiert sich an Möglichkeiten, nicht an Defiziten
      • beinhaltet berufliches Querdenken
      • beruht auf Trial and Error, also Versuch und Irrtum beim ständigen Abgleich von BewerberInnen-Profil und Arbeitgeberbedarf

Für eine präzise Arbeitgeberauswahl bitte folgende Punkte beachten:

  • die Zielgruppe sollte präzise ermittelt werden (mehr)
  • die Unternehmensgröße sollte zum Profil des Teilnehmenden passen (mehr)
  • die Unternehmenswerte sollten zum Profil des Teilnehmenden passen (mehr)

Übrigens: Wenn Sie Material für den Einsatz in Arbeitsmarktprojekten suchen, das nach einem solchen schlüssigen Konzept aufgebaut ist, dann schauen Sie bitte hier.

Mit herzlichen Grüßen aus dem Ruhrgebiet,

Reinhard Kröger

Langzeitarbeitslose gehören in den Mittelpunkt!

Jobcoaches und TrainerInnen in Arbeitsmarktprojekten wissen es schon lange, jetzt scheint es auch in der Gesellschaft anzukommen: Langzeitarbeitslosigkeit ist ein ernstzunehmendes Problem, das noch viel zu wenig im Fokus steht.

Eine große Zahl von Menschen ist seit vielen Jahren langzeitarbeitslos. Laut einem Zeit-Artikel liegt die Anzahl bei über einer Million. Das Deutsche Ärzteblatt schreibt dazu: „Große Metaanalysen und systematische Reviews zeigen, dass Langzeitarbeitslose ein mindestens verdoppeltes Risiko für psychische Erkrankungen, insbesondere Depression und Angststörungen, haben gegenüber erwerbstätigen Personen. Die Mortalität ist um das 1,6-fache erhöht. Arbeitslosigkeit scheint nicht nur Folge (Selektionseffekt), sondern auch Ursache (Kausalitätseffekt) für Erkrankungen zu sein.“ (Hervorhebungen von mir)

Dauerarbeitslosigkeit erzeugt die verschiedensten Probleme. Sie macht perspektivlos und unzufrieden und wirkt sich nicht nur negativ auf den Körper und die Psyche, sondern auch auf das Umfeld der Arbeitslosen aus. So kommt es häufig zu vielfältigen familiären Problemen.

Langzeitarbeitslose müssen wieder in den Fokus rücken
LupeEs sollte also ein wichtiges Ziel von Politik und Behörden sein, Menschen aus der Langzeitarbeitslosigkeit herauszuholen. Doch lange wurde zu wenig gemacht. Der Spiegel stellt in dem Artikel „Die Vergessenen des Arbeitsmarktes“ fest: „Die Politik hat sich lange auf den Abbau der relativ kurzen Arbeitslosigkeit konzentriert. Langzeitarbeitslose hat sie hingegen vernachlässigt“. Gut, dass sich der Wind nun dreht. Der Leiter der Agentur für Arbeit, Detlef Scheele, will sich für Langzeitarbeitslose stark machen und wird in einem FAZ-Artikel wie folgt zitiert: “ ‚Wir haben einerseits eine so gute Lage auf dem Arbeitsmarkt, wie ich sie seit der Wiedervereinigung nicht erlebt habe.‘ Und trotzdem gebe es Menschen in Deutschland, die sich trotz dieser Entwicklung subjektiv abgehängt fühlten. Ziel müsse es sein, beides zusammenzubringen und niemanden zurückzulassen – schon wegen des Fachkräftebedarfs, aber auch aus sozialpolitischen Erwägungen.“

Heinrich Alt, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Agentur für Arbeit, hat ein Gutachten veröffentlicht, in dem er fordert “ vorzugsweise Langzeitarbeitslosen… attraktive und zielgenaue Maßnahmen anzubieten.“ Auch die Diskussion um das „Solidarische Grundeinkommen“ rückt die Gruppe der Langzeitarbeitslosen in den Fokus. Mehr Arbeitsangebote statt reiner Geldzahlungen sind hier die Überlegungen.

Mein Fazit: Es bewegt sich was! Und das ist gut, es muss sich was tun. Wir brauchen mehr zielgenaue Beratung, mehr attraktive Angebote, mehr kreative Projekte und mehr Engagement der Politik in diesem Bereich! Langzeitarbeitslose gehören nicht schamhaft in irgendein Projekt abgeschoben, sondern in die Mitte der Gesellschaft und vielleicht auch mal nach langen Jahren wieder in den Mittelpunkt.


Weitere Links:

Arbeitslosigkeit macht krank!

Arbeitslos bleiben, eine Alternative?