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MigrantInnen in Arbeit vermitteln

Wie lassen sich Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund am besten in Arbeit vermitteln?

Diese Frage wird gerade intensiv und kontrovers in allen Medien diskutiert. In meinen Vermittlungsprojekten habe ich schon häufig MigrantInnen in Arbeit vermittelt. Wichtig für eine erfolgreiche Vermittlung sind vor allem vier Punkte:

1. Benutzung einer einfachen Sprache
Egal ob Sie Ihrem Gegenüber die Tätigkeit im Jobangebot genauer erklären, seine Fähigkeiten herausarbeiten oder gemeinsam herausfinden, ob sein Profil  zum Job passt; es sollte in verständlicher und einfacher Sprache passieren.

2. Verwendung eines praktikablen Vermittlungskonzeptes
Dazu gehört ein überschaubares Profiling, eine aussagefähige Zielgruppenermittlung (in welche Jobs, Berufe kann der Teilnehmende vermittelt werden) und geeignetes Job-Marketing. Machen Sie mit dem Jobsuchenden keine lange und theoretische Lebenslaufanalyse und geben Sie ihm nicht Dutzende Seiten, die er ohne Anleitung ausfüllen muss! Arbeiten Sie mit ihm lieber an einem Schritt-für-Schritt-Konzept, an das sich alle MitarbeiterInnen des Vermittlungsteams halten und dass für jeden Schritt sinnvolle und aufeinander aufbauende Übungen enthält. Ein solches einfaches und strukturiertes Vermittlungskonzept finden Sie zum Beispiel in meinem E-Book.

3. Individuelle und ermutigende Betreuung
MigrantInnenen auf Jobsuche brauchen (wie jeder andere auch) eine persönliche Begleitung, die möglichst viel Ermutigung und Motivation beinhaltet. Eine gute Beratung ist nicht auf Defizite, sondern auf Chancen und Möglichkeiten ausgerichtet und lebt von der Authentizität des Beraters. Richard N. Bolles, einer der bekanntesten Experten für Jobcoaching, bringt es auf den Punkt: Am Anfang der Beratung steht der Klient/die Klientin. Ziel ist, dass deine KlientInnen selbständig handeln und sich selbstwirksam erleben. Sie haben mehr Power und Optionen, als sie oft selbst meinen.

4. Hilfestellung von Jobcoaches bei der Herstellung von persönlichem Kontakt zwischen Jobsuchenden und Arbeitgeber
Für die Firmenansprache werden Sie als Scout 🙂 gebraucht!  Es ist von Vorteil, wenn Sie als Jobcoach den Erstkontakt zum potentiellen Arbeitgeber herstellen und den bisherigen Berufsweg Ihres Klienten erklären. So können Sie eventuellen Sprachbarrieren vorbeugen und vorschnelle Urteile über den Jobsuchenden im Erstgespräch vermeiden.

Bei Beachtung dieser 4 Punkte lassen sich beachtliche Vermittlungs-Erfolge erzielen. Ich freue mich auch in diesem Fall über Kommentare, ergänzende Tipps und mehr.

360 Grad Jobsuche

„Internet-Recherche – schön und gut, aber ich finde da nichts“, höre ich immer wieder von Teilnehmenden in Arbeitsmarktprojekten.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Arbeitssuchenden kennen oft nicht alle Jobbörsen und suchen häufig nur nach klassischen Berufsbildern. In diesem Fall kann es helfen, wenn Sie mit der ganzen Gruppe im EDV-Raum unter Anleitung die relevanten Jobbörsen durchsuchen.

Eine einfache Methode, Stellen im nahen Umkreis zu finden, die ihren Teilnehmenden sonst vielleicht nicht aufgefallen wären, möchte ich im Folgenden vorstellen:
Sie suchen in einer 360-Grad-Jobsuche alle Jobs an einem Ort in einer Börse. Ich schlage für diese Aktion die Jobbörse indeed vor. Und so gehen Sie vor:
Tragen Sie bei indeed eine Stadt ein, in unserem Beispiel die Stadt Marl, stellen Sie die Entfernung zuerst auf 0 km. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels waren hier 164 Jobs zu finden. Diese 164 Jobs können Sie in der Gruppe sicherlich ohne zu großen Aufwand durchsuchen und gemeinsam besprechen.
Ihre Teilnehmenden bekommen nun ein Gefühl dafür, was in der jeweiligen Region los ist und welche Arbeitsmöglichkeiten überhaupt vorhanden sind. Natürlich fallen bei der Auswertung eine Reihe Jobs als nicht interessant heraus, weil sie nicht zu den Profilen der Gruppenteilnehmenden passen. Übrig bleiben dann häufig Ergebnisse, die gut brauchbar sind.

Diese Herangehensweise hat den Vorteil, dass die Arbeitssuchenden sich nicht auf einige wenige „Suchbegriffe“ konzentrieren, die sie im Kopf haben, sondern auch für andere Tätigkeiten offen werden. Außerdem bekommen alle Beteiligten eine Übersicht, welche Arbeitgeber in der Region überhaupt Arbeitskräfte suchen.

Der nächste Schritt ist nun die Ansprache von möglichen Arbeitgebern, das Herstellen von Kontakten und ggf. die Vereinbarung von Vorstellungsterminen …
Dazu habe ich einem weiteren Artikel zum Thema „Live-Trainings“ mehr geschrieben.

Was bedeutet gute Arbeit?

Darf man heutzutage eigentlich noch Ansprüche an die Arbeit stellen? Ich denke, ja! Natürlich sind viele erst einmal froh, überhaupt einen Job zu haben. Arbeit kann aber auch krank oder unglücklich machen, wenn sie nicht zu der Person, ihren Fähigkeiten, Werten etc. passt. Doch was macht eigentlich einen guten Job aus?

Die Frage habe ich mir selbst schon häufiger gestellt, und gerade in der Berufsberatung und Arbeitsvermittlung werden wir ständig mit dieser Fragestellung konfrontiert. Sehen wir uns einmal zwei mögliche Antworten an:

Im „Escape-Manifest“ wird der Redakteur von „Wired“ und Sachbuchautor Dan Pink zitiert, er sieht drei unerlässliche Voraussetzungen für eine erfüllende berufliche Tätigkeit:

  • Autonomie – das eigene Leben selbst gestalten zu können
  • Meisterschaft – immer besser zu werden, in etwas, was uns wichtig ist
  • Sinn – an etwas zu arbeiten, das größer ist als wir selbst

Mihály Csíkszentmihályi, der Psychologe, der den Begriff „Flow!“ geprägt hat, sieht auch drei Komponenten, die einen guten Job ausmachen:

  • objektive Gegebenheiten, also die Rahmenbedingungen des Jobs (Arbeitszeit, Lohn, Teamsituation)
  • den Sinn, den dieser Job für die Kunden oder die Gemeinschaft hat
  • die eigene Einstellung, ob ich den Job als erfüllend ansehe

Diese beiden Ansätze überschneiden sich an einigen Stellen, aber jeder Ansatz bringt auch weitere, neue Aspekte mit ein. Lieber Leser, liebe Leserin dieses Blogs, checken Sie doch mal Ihre persönliche Berufssituation nach diesen Punkten durch:

  • Gibt es in Ihrem Job die Möglichkeit, einen Expertenstatus zu erreichen?
  • Wie sehen die Rahmenbedingungen aus?
  • Macht der Job Sinn?
  • Habe ich (noch) die richtige Einstellung?
  • Wenn Sie Jobcoach und Trainer sind: Vermittle ich meine Klienten so gesehen in „gute Jobs“? (Oder in Einstiegstätigkeiten, aus denen sich gute Jobs entwickeln können?)