Gruppe bei Übung

Live-Trainings sind besonders wirksam!

Live-Trainings sind besonders wirksam!

Oft wird in der Öffentlichkeit über die Wirksamkeit von Arbeitsmarktprojekten diskutiert: Sind diese wirklich effektiv? Verhelfen sie Menschen zu Jobs? Oder sitzen die Teilnehmenden nur zusammen und hören sich Theorien über Bewerbungsstrategien an?

Bei theorielastigen Job-Seminaren passiert nach Ende des Seminars oft sehr wenig. Das kann sich ändern, wenn Live-Trainings in den Seminaren eingesetzt werden. In Projekten, in denen ich Live-Trainings verwende, arbeitet die Gruppe an der Lösung der realen Probleme der Gruppenmitglieder. Zum Beispiel erstellen die Teilnehmenden im Kurs Bewerbungsunterlagen für konkrete Jobs und verschicken sie gleich danach als E-Mail.
Sie kontaktieren während der Unterrichtszeit telefonisch Arbeitgeber oder fahren zu Vorstellungsgesprächen. Vorbereitende Schulungen (wie Telefontrainings) werden gleich danach unter Anleitung in die Praxis umgesetzt. So werden Anfangsängste, Scheu vor Selbstmarketing oder praktische Probleme (wie z. B. Internetzugang, Sicherung der Daten, funktionierender Drucker usw.) leichter überwunden.

Voraussetzungen dafür sind unter anderem ein Raum mit Rechnern und Internetzugang, Tischen und Stühlen für Gruppengespräche und Einzelarbeit. Um ungestört Telefonate zu führen zu können, ist ein zusätzlicher Raum erforderlich. Fahrten zu Bewerbungsgesprächen sind natürlich mit dem Bildungsträger und dem Jobcenter/ der Arbeitsagentur abzusprechen.

Das sollten Sie bei einem Live-Training beachten:

  • Motivieren und ermutigen Sie die Teilnehmer.
  • Fehler machen und ausprobieren ist erlaubt!
  • Reflektieren Sie gemeinsam nach Niederlagen/Absagen: Was können wir noch anders/besser machen? Wie ist die Reaktion des Arbeitgebers zu verstehen?
  • Und dann weiter mit dem nächsten Versuch!

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Nutzen Sie das Schutzschild-Prinzip!

„Das bringt doch alles nichts!“, „Ich kann das nicht!“ – Wenn Teilnehmende in Arbeitsmarktprojekten mit Abwehr reagieren, müssen wir Dozenten und Dozentinnen oft erst einmal schlucken.

Immer wieder gibt es Situationen, in denen die (nicht immer freiwillig teilnehmenden) Personen im Kurs mit Widerstand reagieren: Allgemeine Unlust, wenig Vertrauen zu den jeweiligen Bezugspersonen und massive Unzufriedenheit mit bisherigen Maßnahmen oder Beratern schlagen einem entgegen. Negatives Erleben von Lernsituationen, Unsicherheit und Ängste (Auf wen treffe ich da? Wie wird es sein?) scheinen die Teilnehmenden zu bestimmen.

Wie begegnen Sie solchen Situationen angemessen?

 

Machen Sie sich in schwierigen Gruppensituationen immer wieder klar: Sie können äußeren und inhaltlichen Widerstand aushalten!

Hilfreich ist dabei das Schutzschild-Prinzip:

  1. Ihr Gedanke sollte sein: Ich bin gar nicht gemeint! Es geht nicht um mich als Person!
  2. Stellen Sie sich einen mentalen Schutzschild vor, an dem alles abprallt. Das ist eine gedankliche Vorstellung, die wirksam hilft!
  3. Je mehr Vertrauen Sie zu den Teilnehmenden aufbauen, desto weniger brauchen Sie den Schutzschild!

Rechnen Sie als Job-Coach damit, eine Weile der oder die Böse zu sein, auch wenn Sie es nur über Dritte oder gar nicht erfahren. Sie werden unangenehme Dinge aussprechen müssen. Damit lösen Sie bestimmt auch manches Gewitter aus (lesen Sie dazu auch den Artikel von Svenja Hofert über negatives Feedback im Karriere-Coaching).

Oft entspannt sich die Situation wieder, wenn Teilnehmer und Teilnehmerinnen bemerken, dass Sie sich um Echtheit bemühen.

Fingerabdruck

Vertrauen aufbauen im Arbeitsmarktprojekt!

Wie kann ich als Jobcoach oder Dozent/Dozentin eine gute Schulungsatmosphäre in Arbeitsmarktprojekten beeinflussen? Und wie baue ich das nötige Vertrauen bei den Teilnehmenden auf, damit die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Begleitung gegeben sind?

Der Schlüssel dazu liegt, meiner Meinung nach, in der Echtheit und Identität des Beraters: Präsentieren Sie sich offen und ehrlich als Wegbegleiter bei der Arbeitssuche, als Scout, der auch nicht alles weiß und als normaler Mensch mit Stärken und Schwächen? Oder wollen Sie ein makelloses Bild wie aus einer Hochglanzbroschüre vermitteln? Um Vertrauen bei Ihrem Gegenüber zu gewinnen, ist Ihre Echtheit als Berater/Beraterin wichtig.

Echtheit/Identität hat mit verschiedenen Faktoren zu tun:

  • Was ist Ihnen wichtig?
  • Warum machen Sie den Job?
  • Wie ist Ihr Lebensweg verlaufen?
  • Wie sahen Ihre beruflichen Lehr- und Wanderjahre aus?
  • Was sind Ihre Lebensthemen?

Teilnehmende beobachten und analysieren Jobcoaches und TrainerInnen ganz genau: Was ist das für ein Mensch? Was ist ihm wichtig? Wie denkt er wirklich über mein Anliegen? Will er mich zu irgendeinem fremden Ziel bringen? Hat auch er Spaß an der Sache? Ist er motiviert? – Verspüren TeilnehmerInnen da Widersprüchlichkeiten, entwickelt sich Widerstand (Link).

Echtheit heißt auch, dass Sie als BeraterIn oder TrainerIn nicht nur als Fachperson in Erscheinung treten, sondern sich auch als Mensch dem Teilnehmer zu erkennen geben. Das Maß der Offenheit bestimmen Sie natürlich selbst und es hängt natürlich auch von der Situation ab.

Mein Tipp: Probieren Sie aus, welcher Grad der Offenheit zu Ihnen passt. Wenn Sie mögen, schreiben Sie mir in die Kommentare!