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Vom Arbeitsvermittler zum Jobcoach-Trainer

Wie kam ich dazu, Trainer für andere Berater und Dozenten zu werden? Dazu hat mich Sarah Kröger, Texterin und Projektmanagerin aus Berlin, interviewt.

Wie bist du Coach für Jobcoaches geworden?
Ich habe zu Anfang meiner Tätigkeit als Jobcoach und Dozent festgestellt, dass es wenig Material gab, das ich in Arbeitsmarktprojekten einsetzen konnte. Also fing ich an, eigenes Material zu entwickeln. Andere Coaches und Trainer haben mich immer wieder gefragt, ob ich noch Material habe: „Ich bin mit meinem Stoff am Ende, hast du noch Ideen für Übungen?“. Es ergab sich dann, dass ich KollegInnen in der Kaffeepause beriet. Sie kamen auf mich zu, weil sie wussten, dass ich mehr Berufserfahrung hatte und dass ich viel Schulungs-Material erarbeitet hatte. Später wurde ich dann zur Einarbeitung von neuen Kolleginnen und Kollegen bei Bildungsträgern eingesetzt. So entwickelte sich meine Beratungstätigkeit aus der Praxis heraus.

Wann hast du angefangen, dein eigenes Material zu entwickeln?
Relativ schnell, nach einer gründlichen Material-Suche, zum Beispiel in Büchereien. Ein Schlüsselerlebnis war, als ich an einem Unterrichtstag für 4 Stunden eingeteilt war und sich plötzlich herausstellte, dass ich doch 8 Stunden unterrichten sollte. Ich merkte: „Oh, ich brauche noch mehr Material!“. Also suchte ich nach praxis- und vermittlungsorientierten Übungen, die ich für meine Arbeit einsetzen konnte. Ich landete schnell bei internationalen Quellen, weil es damals, vor über zwanzig Jahren, auf dem deutschen Markt noch nicht viel gab. Aus diesen Quellen entwickelte ich dann über die Jahre mein Schulungs-Material „Es gibt Arbeit!“.

Was ist das Besondere daran?
Mein Schulungs-Material ist arbeitsmarkt-, vermittlungs- und praxisorientiert. Es ist nachhaltig, denn es geht nicht nur darum, in ein nächstes Arbeitsverhältnis zu vermitteln, sondern um eine ganzheitliche Berufswegberatung. Das Material ist verständlich und auch für Leute mit weniger guten Schulabschlüssen geeignet. Es ist strukturiert und geht Schritt für Schritt vor. Und es hat in der Vergangenheit hohe Vermittlungsquoten generiert.

Wie bist du auf die Idee gekommen, die Unterrichts-Materialien anderen Jobcoaches zur Verfügung zu stellen?
fotoEines Tages kam ich in einen meiner Kurse, packte meine dicke Mappe mit Arbeitsblättern aus und fing an zu unterrichten. Die Teilnehmer beschwerten sich bald: „Das kennen wir doch schon alles!“. Ich war verwundert, denn dieses Material konnten sie gar nicht kennen. Das hatte ich ja selbst entwickelt! Der Schluss lag nahe, dass andere Dozenten ohne Absprache mit mir mein Material kopiert hatten und in ihren Kursen einsetzten! Bei Nachforschungen stellte sich genau das heraus. Als das öfters passierte, bekam ich die Idee, mein Material auch anderen Jobcoaches und Dozenten zur Verfügung zu stellen. Daraus entstanden dann die Teilnehmer- und Trainerausgabe „Es gibt Arbeit!“, Seminare und viele andere Angebote.

Wie unterscheidet sich das Jobcoaching in Arbeitsmarktprojekten von einer klassischen Karriereberatung?
Klassische Karriereberatung ist in der Regel hochpreisig und wendet sich oft an Akademiker. Menschen mit mittlerem oder geringem Einkommen und auch weniger gut qualifizierte Menschen werden durch sie überhaupt nicht angesprochen oder erreicht. Sie können oder wollen die Beratungshonorare von Karriereberatern nicht bezahlen. Aber auch diese Zielgruppe braucht qualifizierte, auf sie zugeschnittene Angebote!

Und was für Qualifikationen braucht ein Jobcoach in Arbeitsmarktprojekten deiner Erfahrung nach?
Jobcoaches bringen nicht zwangsläufig einen pädagogischen Hintergrund mit. Sie haben zum Beispiel Betriebswirtschaft oder Geographie studiert oder sind HandwerksmeisterIn. Daher benötigen sie neben ihrer Grund-Ausbildung und erster Berufserfahrung auch eine Fortbildung in der Einzelfall- oder Gruppenberatung. Idealerweise haben sie dann noch eine spezielle Schulung zum Jobcoach gemacht. Ein Jobcoach muss zudem mit Widerständen umgehen können und stressresistent sein. Wichtig ist, dass er gut motivieren kann und lösungsorientiert arbeitet, das heißt sich auf mögliche Lösungen und nicht auf die Defizite des Ratsuchenden konzentriert. Denn im Jobcoaching geht es immer darum, Menschen zu motivieren, neue Wege zu gehen

Du bist seit über 20 Jahren Jobcoach und sprichst viel über Motivation. Welche Erfahrungen motivieren dich besonders?
Immer wieder kommen Teilnehmende auf mich zu und sagen: „Jetzt weiß ich endlich, was ich beruflich machen soll!“. Sie erzählen dann, dass sie schon in mehreren Job-Maßnahmen und Projekten beraten wurden, aber bisher nie dieses „Aha-Erlebnis“ hatten. Das freut mich natürlich sehr! Einmal berieten wir einen Teilnehmer nach über zehn Jahren der Arbeitslosigkeit. Er war Tischler, war zwischendurch nicht sesshaft und hatte ein Alkoholproblem. Doch dann konnten wir ihn als Forstarbeiter vermitteln! Diese Erlebnisse bestätigen mir, dass ich das Richtige tue.

Was möchtest du anderen Jobcoaches noch mit auf den Weg geben?
Seien Sie authentisch
und schlagen Sie z.B. nur Dinge vor, die Sie auch selbst machen würden. Lassen Sie sich auf den Ratsuchenden ein und nehmen ihn als Person ernst. Das Ernstnehmen erleichtert die Beratung massiv und wird auch von der überwiegenden Anzahl der Ratsuchenden honoriert. TeilnehmerInnen beobachten und analysieren Berater ganz genau. Sie wollen wissen: „Was ist das für ein Mensch? Was ist ihm wichtig? Wie denkt er wirklich über mein Anliegen?“

Lesen Sie hier den ersten Teil der Geschichte „Vom Arbeitssuchenden zum Arbeitsvermittler“

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MigrantInnen in Arbeit vermitteln

Wie lassen sich Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund am besten in Arbeit vermitteln?

Diese Frage wird gerade intensiv und kontrovers in allen Medien diskutiert. In meinen Vermittlungsprojekten habe ich schon häufig MigrantInnen in Arbeit vermittelt. Wichtig für eine erfolgreiche Vermittlung sind vor allem vier Punkte:

1. Benutzung einer einfachen Sprache
Egal ob Sie Ihrem Gegenüber die Tätigkeit im Jobangebot genauer erklären, seine Fähigkeiten herausarbeiten oder gemeinsam herausfinden, ob sein Profil  zum Job passt; es sollte in verständlicher und einfacher Sprache passieren.

2. Verwendung eines praktikablen Vermittlungskonzeptes
Dazu gehört ein überschaubares Profiling, eine aussagefähige Zielgruppenermittlung (in welche Jobs, Berufe kann der Teilnehmende vermittelt werden) und geeignetes Job-Marketing. Machen Sie mit dem Jobsuchenden keine lange und theoretische Lebenslaufanalyse und geben Sie ihm nicht Dutzende Seiten, die er ohne Anleitung ausfüllen muss! Arbeiten Sie mit ihm lieber an einem Schritt-für-Schritt-Konzept, an das sich alle MitarbeiterInnen des Vermittlungsteams halten und dass für jeden Schritt sinnvolle und aufeinander aufbauende Übungen enthält. Ein solches einfaches und strukturiertes Vermittlungskonzept finden Sie zum Beispiel in meinem E-Book.

3. Individuelle und ermutigende Betreuung
MigrantInnenen auf Jobsuche brauchen (wie jeder andere auch) eine persönliche Begleitung, die möglichst viel Ermutigung und Motivation beinhaltet. Eine gute Beratung ist nicht auf Defizite, sondern auf Chancen und Möglichkeiten ausgerichtet und lebt von der Authentizität des Beraters. Richard N. Bolles, einer der bekanntesten Experten für Jobcoaching, bringt es auf den Punkt: Am Anfang der Beratung steht der Klient/die Klientin. Ziel ist, dass deine KlientInnen selbständig handeln und sich selbstwirksam erleben. Sie haben mehr Power und Optionen, als sie oft selbst meinen.

4. Hilfestellung von Jobcoaches bei der Herstellung von persönlichem Kontakt zwischen Jobsuchenden und Arbeitgeber
Für die Firmenansprache werden Sie als Scout 🙂 gebraucht!  Es ist von Vorteil, wenn Sie als Jobcoach den Erstkontakt zum potentiellen Arbeitgeber herstellen und den bisherigen Berufsweg Ihres Klienten erklären. So können Sie eventuellen Sprachbarrieren vorbeugen und vorschnelle Urteile über den Jobsuchenden im Erstgespräch vermeiden.

Bei Beachtung dieser 4 Punkte lassen sich beachtliche Vermittlungs-Erfolge erzielen. Ich freue mich auch in diesem Fall über Kommentare, ergänzende Tipps und mehr.

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XING für Jobcoaches, Berater und Dozenten!

Die Online-Plattform für Businesskontakte zählt mittlerweile über 10 Millionen Mitglieder. So können Sie XING als Jobcoach einsetzen.

1. Einsatz bei der Beratung von Teilnehmenden in Arbeitsmarktprojekten:
Besonders bei der Jobsuche für Fachkräfte ist die Erstellung eines XING-Profils ein guter Weg, um den zu Beratenden mit interessanten Firmen in Kontakt zu bringen. Wie so etwas geht, erfahren Sie z.B. beim XING-Experten Joachim Rumohr. Sie sollten natürlich selbst mit der XING-Plattform absolut vertraut sein, um Teilnehmende kompetent beraten zu können.

2. Stärkung Ihres eigenen beruflichen Profils
Was für die Beratung von Jobsuchenden gilt, gilt genauso auch für Sie als Berater. Wenn Sie selbständiger Dozent oder Coach sind, ist XING sicherlich schon längst Teil Ihrer Marketing-Aktivitäten. Aber auch als Angestellter können Sie davon profitieren. Sie können XING für die Weiterentwicklung Ihrer beruflichen Situation einsetzen. Voraussetzung dafür ist Ihr aussagefähiges, sorgfältig getextetes Profil mit einem aktuellen sympathischen Foto :-).

Wenn Sie als Jobcoach oder Dozent einen Job suchen, finden Sie dort Bildungsträger und Jobangebote sowie Gruppen, in denen Sie Ihren Tätigkeitswunsch posten können. Weiterhin können Sie bei XING Kontakt zu Entscheidern bei Bildungsträgern aufnehmen und Mitarbeiter, die in Arbeitsmarktprojekten in Ihrer Nähe arbeiten, persönlich ansprechen. Auch können Sie in den verschiedensten Fachgruppen mitdiskutieren oder Fragen stellen und so jede Menge neue Kontakte knüpfen. Sprechen Sie auch ruhig MultiplikatorInnen aus der Branche an. Wenn Sie dies freundlich und klar tun, ergeben sich manchmal überraschende Möglichkeiten.

Soziale Spielregeln für Azubis und U25

Wer in U25 Arbeitsmarktprojekten unterrichtet, merkt schnell, dass die TeilnehmerInnen über wenig Erfahrung mit den Abläufen und Üblichkeiten in Betrieben verfügen. Dies kann eine Ausbildung oder selbst ein Praktikum scheitern lassen.

Abhilfe bietet hier ein Buch von Ingrid Ehlers und Regina Schäfer: „Die wichtigsten Spielregeln für Azubis“. Im Betriebsalltag müssen die unterschiedlichsten Dinge beachtet werden: Höflicher Umgang mit Kunden, Respektieren der „Reviere“ der Mitarbeiter, Umgang mit der Hierarchie, Grüßen, um Hilfe bitten und sich bedanken, Körperhaltung und Gesten, Verhalten bei Feiern und Betriebsausflügen, Kleidung, Telefonverhalten, Smalltalk…

Für diese „Standardsituationen“ geben Ehlers und Schäfer gute Tipps, erklären gründlich, warum diese und jene Umgangsformen zu empfehlen sind, wie bestimmtes Verhalten auf Außenstehende wirkt und welche Konsequenzen es hat. Man merkt am Sprachstil, dass sie auch Seminare für Azubis machen und sich in die Gedankenwelt dieser Altersgruppe gut hineinversetzen können.

Mein Tipp für Berater und Trainer: Mit den praktischen Beispielen samt Lösungen aus dem Buch, z. B. zum Thema Teamwork oder Kritikfähigkeit, können Sie überzeugende Beratungseinheiten oder Unterrichtsinhalte gestalten. Auch als Vorlage für Video-Trainings eignen sich die Situationen aus dem Buch. 5 Tests zu den beschriebenen Themen runden das Ganze ab.

Fazit: Sehr zu empfehlen, denn, wie es im Buch heißt: „Schulnoten sind nicht alles… soziale Kompetenz nützt“!

Ingrid Ute Ehlers/Regina Schäfer
Bin gut angekommen
228 Seiten, 2014, BW-Verlag
ISBN: 978-3-8214-7687-2

Hier einige Artikel zum Thema Azubis/U25 zum Vertiefen:

Was ist eigentlich mein Traumjob?
Wichtige Internetseiten für die Ausbildungssuche

Neues Material für die Arbeit mit U25 Teilnehmern
Geheimtipp Material für U25

Live-Trainings sind besonders wirksam!

Oft wird in der Öffentlichkeit über die Wirksamkeit von Arbeitsmarktprojekten diskutiert: Sind diese wirklich effektiv? Verhelfen sie Menschen zu Jobs? Oder sitzen die Teilnehmenden nur zusammen und hören sich Theorien über Bewerbungsstrategien an?

Bei theorielastigen Job-Seminaren passiert nach Ende des Seminars oft sehr wenig. Das kann sich ändern, wenn Live-Trainings in den Seminaren eingesetzt werden. In Projekten, in denen ich Live-Trainings verwende, arbeitet die Gruppe an der Lösung der realen Probleme der Gruppenmitglieder. Zum Beispiel erstellen die Teilnehmenden im Kurs Bewerbungsunterlagen für konkrete Jobs und verschicken sie gleich danach als E-Mail.
Sie kontaktieren während der Unterrichtszeit telefonisch Arbeitgeber oder fahren zu Vorstellungsgesprächen. Vorbereitende Schulungen (wie Telefontrainings) werden gleich danach unter Anleitung in die Praxis umgesetzt. So werden Anfangsängste, Scheu vor Selbstmarketing oder praktische Probleme (wie z. B. Internetzugang, Sicherung der Daten, funktionierender Drucker usw.) leichter überwunden.

Voraussetzungen dafür sind unter anderem ein Raum mit Rechnern und Internetzugang, Tischen und Stühlen für Gruppengespräche und Einzelarbeit. Um ungestört Telefonate zu führen zu können, ist ein zusätzlicher Raum erforderlich. Fahrten zu Bewerbungsgesprächen sind natürlich mit dem Bildungsträger und dem Jobcenter/ der Arbeitsagentur abzusprechen.

Das sollten Sie bei einem Live-Training beachten:

  • Motivieren und ermutigen Sie die Teilnehmer.
  • Fehler machen und ausprobieren ist erlaubt!
  • Reflektieren Sie gemeinsam nach Niederlagen/Absagen: Was können wir noch anders/besser machen? Wie ist die Reaktion des Arbeitgebers zu verstehen?
  • Und dann weiter mit dem nächsten Versuch!

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