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Wie beginne ich ein Seminar?

Die ersten Stunden in neuen Arbeitsmarktprojekten sind oft gar nicht so einfach. Die Teilnehmenden kennen sich nicht untereinander und kennen Sie und Ihre Arbeitsweise nicht. Wie lässt sich die Atmosphäre zu Beginn auflockern? Und wie begegnen Sie Vorbehalten?

Gut beraten sind Sie als Jobcoach und TrainerIn, wenn Sie ruhig und authentisch Folgendes tun:

  • Namen der Teilnehmer kennenlernen

  • sich auf Sprache und Verhalten der TeilnehmerInnen einstellen

  • erst einmal alles Gesagte so stehen lassen

  • auf Kritik eingehen

  • Frust abbauen lassen

  • positive Verstärkung

Ich beginne in solchen Projekten gerne mit einer Gesprächsrunde, in der Teilnehmende ihren Frust oder ihre Befürchtungen auch äußern können.
Mit aktivem Zuhören stelle ich die Themen der Teilnehmenden in den Raum. Hier ein Beispiel: Ein Teilnehmer sagt: „Das bringt doch alles nichts!“ Ich antworte: „Sie meinen, dass unsere Aktion unnötig ist?“, und dann frage ich: „Was würde denn etwas bringen?“
Genauso gehe ich mit Teilnehmer-Statements um wie: „Ich habe keine Lust, das zu machen!!“ — „Ich bin nur hier, weil ich muss!“ — „Bei mir ändert sich eh nichts!“ — „Ich habe schon einen Job!“ — „Eigentlich sollten andere hier sein!“

Nach solch einer ausführlichen Gesprächsrunde ist die Stimmung oft schon viel besser. Wichtig dabei ist: Natürlich suche ich auch ernsthaft nach Möglichkeiten, die Lehrgangserfahrung von Teilnehmenden zu verbessern!

Dale Carnegie hat mal gesagt:

“ Positive Verstärkung und das Fehlen negativer Kritik in den ersten Sitzungen ist der wirksamste Weg, Vertrauen aufzubauen.


Hier finden Sie noch weitere Links zum Thema:
Wie motiviere ich Gruppen?
Echt sein – wichtig für den Beratungserfolg

frei sein statt frei haben

Selbständigkeit- eine Alternative zur Arbeitslosigkeit?

Selbständigkeit ist immer eine Alternative zur Arbeitslosigkeit, natürlich nicht für jeden und nicht zu jedem Zeitpunkt. Aber für einige Menschen, zu einem bestimmten Zeitpunkt, kann Selbstständigkeit genau die richtige Lösung sein.

frei sein statt frei haben

Selbstverständlich braucht es für einen guten Start in die Selbstständigkeit Hilfen und Unterstützung. Eine gute Hilfe ist das ausgezeichnete Existenzgründer-Handbuch „Frei sein statt frei haben“ von Catharina Bruns und Sophie Pester.

„Die erste Voraussetzung, um selbständig zu sein, ist, dass man es will. Es ist keine Notlösung und es ist kein Vorruhestand.“

So beginnen die Autorinnen ihr Handbuch für den Weg zum eigenen kleinen Unternehmen. Sie sprechen meiner Meinung nach die richtigen Themen an:

  • Warum gründen?
  • Was ist das Besondere an deinem Angebot?
  • Geld verdienen
  • Sichtbar sein und kommunizieren
  • Das Geschäftsmodell
  • Lebensstil als Selbständige/Selbständiger
  • Arbeiten ohne Anleitung
  • Gründen ohne viel Geld
  • Lieber frei als groß
  • Sich mit Kreativität durchsetzen
  • Zusammenarbeiten
  • Ruhiger schlafen können
  • Kundenservice ist Chefsache
  • Preisgestaltung
  • Formalitäten

Jedes Thema wird praxisnah und ausführlich behandelt. Ein ganz wichtiger Punkt: Die Autorinnen unterscheiden sauber zwischen Hobby und Begeisterung für etwas und Dingen oder Dienstleistungen, die ich anbieten kann. Die Ressourcenliste mit Infos über Kreditplattformen, Versicherungen, Tools für Selbstorganisation, Kommunikation, Bloggen, E-Books, Design, E-Mail-Marketing, Hosting, Buchhaltung, Online-Marktplätze, Bezahldienste, SEO, Netzwerke etc. ergänzt das Buch um hilfreiche Adressen.

Ein Zitat von Niki Lauda, das auf Seite 130 erwähnt wird, könnte auch der Untertitel dieses Existenzgründer-Buches sein:

„Man muss als Zwerg tun, was Riesen nicht können.“


Infos zum Buch: Catharina Bruns/Sophie Pester: Frei sein statt frei haben, 239 Seiten, Campus Verlag, ISBN-13: 978-3593505152

7.000 km für einen neuen Job

norway-693041_1920Thomas Rohrmann arbeitet seit 30 Jahren im Vertrieb für die Lebensmittelindustrie, sowohl im Außendienst als auch als  Filial- und Bezirksleiter. Doch dann verlängert sein damaliger Arbeitgeber seinen Vertrag nicht mehr.  

100 Bewerbungen schickte er ab, doch er erhielt nur Absagen oder gar keine Rückmeldung. Da entschloss sich der 57-Jährige, 7.000 km durch sieben Länder quer durch Europa zu laufen, um auf sich und seine Situation aufmerksam zu machen. „Mich treibt eher die Wut als die Verzweiflung“, sagt er in einem Interview mit Spiegel Online. Mit seiner Wanderung wollte der Vertriebler nicht nur potentielle Arbeitgeber auf sich aufmerksam machen, sondern auch eine Diskussion über die Situation älterer Arbeitnehmer starten.

Mittlerweile hat Thomas Rohrmann seine Wanderung beendet. Reinhard Kröger hat ihn im Interview gefragt, wie es weitergegangen ist und ob seine Aktion erfolgreich war.

Warum wollten Sie durch Europa wandern?
Ich wollte potentielle Arbeitgeber auf meine Situation aufmerksam machen und mich so auf Stellen bewerben, die gar nicht veröffentlicht wurden. Ich komme aus dem Vertrieb und dort ist es normal, wenn man sich etwas Außergewöhnliches für die Akquise ausdenkt. Das war eine PR-Aktion in eigener Sache.

Welche Schwierigkeiten sehen Sie bei der Jobsuche 50Plus?
Viele Personaler und HR Leitungen gehen bei Bewerbungen ab 50 oftmals davon aus, dass hier keine Leistung mehr zu erwarten ist, die Bewerber oft krank werden oder nicht mehr lernfähig sind. Sicherlich finden sie auch den Gehaltswunsch zu hoch, im Gegensatz zu dem von jüngeren Bewerbern. So fallen viele ältere Bewerber durch das Raster und es kommt erst gar kein persönliches Gespräch zustande. Viele Bewerber 50+ fühlen sich durch die vielen Absagen (oder ausbleibenden Antworten) unsicher oder im schlimmsten Fall überflüssig und minderwertig. Aber wie kann man denn beurteilen, ob ein älterer Bewerber nicht doch geeignet ist, wenn man mit ihm noch nicht einmal gesprochen hat?  Ein wenig mehr Offenheit und Neugierde bei den Entscheidern würde ich mir schon wünschen.

Wie waren die Reaktionen auf Ihre Ankündigung, dass Sie 7.000 km für einen neuen Job laufen wollen?
Die Reaktionen waren geteilt. Meine Frau hat mich hier von der ersten Sekunde total unterstützt und mir sehr geholfen. Viele meiner Freunde und Bekannten konnten es erst gar nicht fassen, haben den Grund meiner Reise aber verstanden und mein Vorhaben voll unterstützt.

Wie waren die ersten Tage Ihrer Wanderung?
Die ersten Tage gingen schon sehr an´s Eingemachte. Mein Gepäck und Equipment kam erst am nächsten Morgen an und ich musste in einem Taxistand bei minus 5 Grad übernachten. Dann fuhr ich nach Norwegen. Jeden Tag lief ich bis zu 35 Kilometer und schlug abends mein Zelt auf. Als es nicht mehr zu verantworten war, bei dieser Kälte meine Reise wie geplant fortzusetzen, entschied ich mich, nach einigen extrem kalten Nächten nach Deutschland zu fahren und von dort weiter zu machen. In Deutschland musste ich, kurz nachdem ich die Elbe erreicht hatte, abbrechen. Ich hatte starke Knieprobleme, und es war einfach zu kalt! Meine Gesundheit war mir dann wichtiger, da ich ja anschließend auch wieder arbeiten wollte.

Was geschah nach dem Ende der Reise?
Ich brauchte etwa eine Woche, um mit meinem „Scheitern“ fertig zu werden und die zahlreichen Mails von Menschen zu verarbeiten, die alles schon immer gewusst hatten, obwohl sie mich nicht  kannten. Es gab zum Glück jedoch weit mehr positive Mails von Menschen, die es ähnlich sahen wie ich: Lieber etwas wagen und scheitern, als nichts zu wagen und sich nur zu beschweren. Nun hoffe ich, dass mein Knie wieder in Ordnung kommt und ich bald wieder beschwerdefrei Marathon laufen kann ;-).

Bekamen Sie, wie erhofft, Jobangebote?
Es gab sogar schon vor dem Start meiner Tour die ersten Stellenangebote, nachdem der Bericht bei Spiegel Online erschienen war. Es waren super Angebote, genau aus meinem Bereich. Und alle  kamen von den Geschäftsleitungen, das fand ich toll! Die Anfragen habe ich dann unterwegs von meinem Notebook aus beantwortet und gleich meine Bewerbungsunterlagen gesendet. Meine Aktion hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt, da diese Unternehmen sonst gar nicht gewusst hätten, dass ich eine Stelle suche!

Sie hatten jetzt schon einige Vorstellungsgespräche. Wie ist der aktuelle Stand?
Im Moment bin ich mit vier Unternehmen im Gespräch und bei zwei Unternehmen bereits in den Vertragsverhandlungen. Das finde ich sensationell! Bei allen Gesprächen geht es genau um meine Wunschposition. Natürlich hat sich bei mir schon ein Favorit herauskristallisiert. Ich gehe davon aus, dass ich mich den nächsten 14 Tagen entscheiden werde. Dann habe ich endlich wieder eine neue Position, um meine Erfahrungen und meine Motivation gewinnbringend einsetzen zu können.

Welchen Rat würden Sie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern über 50 geben?
Ich habe unzählige Mails von Menschen bekommen, die in der gleichen Situation sind und teilweise total verzweifelt sind. Für mich persönlich war der Weg an die Öffentlichkeit (nach einigen schweren Bedenken) der einzig machbare Weg – verknüpft mit meiner Wanderung, auf die ich mich wirklich gefreut habe. Der Rat, den ich geben kann, ist sich nicht zu verkriechen und vielleicht einmal ungewöhnliche Wege zu gehen, die zu einem passen und authentisch sind. Dabei erscheint mir inzwischen der klassische Weg, auf Stellenangebote zu antworten, als reine Energie- und Zeitverschwendung. Viele Stellen werden ja gar nicht mehr öffentlich gemacht. Viel sinnvoller ist es, die eigenen Kontakte zu nutzen, Networking zu betreiben und sich initiativ zu bewerben.

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Thomas Rohrmann

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Es gibt im Job unterschiedliche Phasen!

Das Buch für 50Plus!

success hell

7 Faktoren einer erfolgreichen Vermittlungsquote!

Oft stellt sich in Arbeitsmarktprojekten die Frage: Welche Faktoren beeinflussen den Vermittlungserfolg?

Gute Vermittlungsquoten hängen von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Den Vermittlungserfolg beeinflussen vor allem:

  1. der/die TrainerIn/BeraterIn in einer Maßnahme
  2. das Konzept des Projekts
  3. der Bildungsträger/Träger der Veranstaltung
  4. die Teilnehmenden
  5. die Wirtschaftslage und der Arbeitsmarkt
  6. der Auftraggeber des Arbeitsmarktprojektes
  7. die politischen Rahmenbedingungen

Welcher dieser Faktoren beeinflusst eine Vermittlungsquote am stärksten?
Das ist nicht einfach zu beantworten. Untersuchungen decken in der Regel nur Teilbereiche ab. Es gibt aber Faktoren, die Sie ganz konkret beeinflussen können, das sind die ersten vier Punkte. Für diese Punkte habe ich Ihnen eine praxisorientierte Checkliste erstellt.

1. Der Berater/die Beraterin

2. Konzept des Projekts

  • fühlt es sich an wie Schule?
  • gibt es nur Unterricht oder auch Aktionsphasen?
  • gibt es aktive Jobakquise und Kontakt zu Firmen?
  • passen die Unterrichts- und Arbeitszeiten zur Leistungsfähigkeit der Zielgruppe?
  • ist geeignetes Material vorhanden?

3. Bildungsträger/Träger der Veranstaltung

  • flexible Organisation beim Träger?
  • pfiffige Auftaktveranstaltung?
  • sind die Räume freundlich und geeignet?
  • gibt es ein schlüssiges Vermittlungskonzept?
  • können Jobcoaches und Dozenten ihre Vorschläge einbringen?
  • wird Teambuilding der Berater und Dozenten ermöglicht?

4. TeilnehmerInnen des Arbeitsmarktsprojekts

  • geeignete Teilnehmerauswahl (werden Standards eingehalten, z.B. EDV-Grundkenntnisse, Sprachkenntnisse)?
  • halbwegs homogene Teilnehmergruppen?
  • sind Motivationsanreize für TeilnehmerInnen gegeben?
  • wird ein respektvoller Umgang mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gepflegt?

Ich freue mich über Kommentare und Anregungen. Welchen der Bereiche soll ich Ihnen noch genauer beschreiben? Sagen Sie es mir!

Mit Grüßen von der Ruhr, Reinhard Kröger

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Wie lange reicht das Schulungsmaterial?

Ich habe schon häufiger in längeren Arbeitsmarktprojekten unterrichtet oder beraten, unter anderem in siebenwöchigen Trainingsmaßnahmen. Vor ein paar Wochen fragte mich ein Jobcoach-Kollege, wie lange er denn mit meinem Material „Es gibt Arbeit!“ wohl schulen und coachen könnte.

Er soll in einem Vermittlungsprojekt vier Monate lang zu den Themen Berufsorientierung und Jobsuche unterrichten! Mein Material reicht zwar einige Wochen, aber nicht für einen viermonatigen Vollzeitkurs. Wenn Sie vor der Herausforderung stehen, einen mehrmonatigen Kurs mit den gleichen Teilnehmenden zu unterrichten, gibt es noch weitere Optionen, die ich Ihnen hier einmal aufliste.

  1. Sie können mit dem Buch „In 90 Tagen aus der Arbeitslosigkeit!“ und den enthaltenden Aktionsvorschlägen weitere Unterrichts-/Beratungsstunden gestalten.
  2. Sie können die Materialien in  Hesse/Schrader: Training Lebenslauf mit der Gruppe bearbeiten.
  3. Sie können Motivationsfilme einsetzen, z.B. Am Limit und Steve Jobs.
  4. Konkrete Jobakquise in „Live-Trainings“ ist effektiv und braucht viel Zeit!
  5. Sie können besondere Projekte starten, um soziale und kreative Kompetenzen und gesundheitliche Fitness zu fördern. Für U25- Arbeitsmarktprojekte habe ich hier mal einige Möglichkeiten aufgeführt. Für andere Altersgruppen können Sie die Möglichkeiten anpassen: z.B. Erstellen und Halten einer Präsentation, Übung von Gehaltsverhandlungen, Trainieren von Vorstellungsgesprächen mit Hilfe von Videoaufnahmen…

Wenn Sie weitere Vorschläge haben, schreiben Sie doch bitte einen Kommentar und lassen Sie es mich wissen.